



Aus einer dieser Nächte erwachten wir oder, sollte ich besser
sagen einer dieser Nächte beendeten wir heute morgen 8.30 Uhr um uns
unter eine eiskalte Dusche (also Schlauch an der Wand) zu stellen.
Dazu sollte auf jeden Fall noch einmal erwähnt sein, dass in
Indien gerade Winter ist, für unsere Verhältnisse natürlich immer
noch warm aber irgendwie hätten wir uns doch alle ein bisschen mehr
über warmes Wasser gefreut.
Nun, sei es drum, nach einem kleinen Frühstück bekamen wir
Besuch von einer Warli Künstlerin, sie zeigte uns in der darauf
folgenden Zeit die Grundlagen dieser Kunst.
Warli ist eine Art (nun ja, in Deutschland würde man vielleicht
von Höhlenmalerei sprechen) indische Stammeskunst, bei der aus
einfachen Strichen bestehende Menschen, Pflanzen sowie Häuser an die
Wände gemalt werden. Zu besonderen Anlässen wird diese Kunst auch
heute noch an die Wände in indische Haushalten angebracht.
Natürlich fühlte ich mich zwischen den ganzen künstlerisch
begabten Menschen im Raum ein wenig verloren. Trotzdem war das Ganze
eine Erfahrung Wert.
Kurz darauf bekamen wir erneut Besuch von einem Professor eines
örtlichen Colleges, der uns eine Menge über die indische Politik,
Religion und Traditionen erzählte, dabei fällt mir einmal wieder
auf, wie sehr ein Inder davon ausgeht, dass wir weder das Land Indien
geografisch einordnen können, noch sonst irgendwelche
Vorinformationen dazu haben („Mahatma Gandhi, you have ever heard
about him?“)
Ich persönlich konnte der ganzen Sache nicht so gut folgen, mir
für meinen Teil, hatte die gestrige Hochzeit den Magen verdorben und
ich spürte nun die Auswirkungen davon. Kurz gesagt, mir war ganz
schön übel, weshalb ich die anschließende Pause auch dazu nutzte
einfach nur den versäumten Schlaf nachzuholen, dabei verschlief ich
auch den anschließenden Lunch, wofür unser Gastvater Philipp zum
Glück Verständnis zeigte, wie für eigentlich alles, auch, dass wir
im Moment kein indisches Essen mehr sehen können (außer natürlich
Vivi, der die Schärfe anscheinend gar nichts anhaben kann.)
Wir verbrachten also die restliche Zeit vor allem damit unsere
kleinen Wehwehchen auszukurieren, zum Glück, denn nach ein bisschen
Schlaf und Ruhe waren wir auch alle wieder in der Lage in Philipps
Auto zu steigen und eine weitere aufregende Fahrt durch die Stadt zu
erleben.
Diesmal hielten wir an einem buddhistischen Tempel, dort wurden
wir allerdings sofort zur Hauptattraktion umfunktioniert. Jeder
wollte ein Foto mit uns machen und so blieben wir eben geduldig
stehen und lächelten in viele verschiedene Kameras mit völlig
fremden Menschen im Arm.
Unser Gastbruder fand das eher belustigend, wie ziemlich viele
Dinge, die wir sagen oder tun aber er ist ein lieber Kerl und ebenso
wie seine Schwester Maria und den Rest der Kuruvillas haben wir ihn
jetzt schon fest in unser Herz geschlossen. David und Maria fahren
morgen zurück nach Mumbai, da ab morgen in Indien die Ferienzeit
vorbei ist und die Beiden wieder studieren gehen, wir treffen sie
dort leider erst am Tag unserer Abreise wieder, weshalb für den
heutigen Abend eine kleine Happy New Year Party bei den Kuruvillas
geplant war.
Überhaupt ist in der ganzen Stadt doch hier und da
Neujahrsstimmung angesagt, in den örtlichen Clubs stehen Partys an
und Maria erzählte uns, dass es durchaus ein paar Familien gibt, die
ein kleines Feuerwerk veranstalten. Als wir uns an einem See
niederließen, bekamen wir etwas von der Partystimmung mit und ein
bisschen fühlte es sich an, wie in Deutschland zu sein, mit seine
Freunden auf dem Weg zu irgendeiner Silvesterparty beschwingt durch
die Straßen zu gehen um sich am Ende des Abends weinend und dankbar
in den Armen zu liegen.
Denn, auch wenn für die meisten Hindus ein anderer Kalender gilt,
bezieht sich dieser doch eigentlich mehr auf die zahlreichen
religiösen Festivitäten und Rituale, morgen beginnt für alle
Inder, ebenso, wie für uns das neue Jahr mit dem ersten Tag im
Januar.
Uns zu liebe wurde dieses also auch mit einer kleinen Feier
eingeleitet. Es gab Pizza, echte Pizza, ohne indische Gewürze
schmeckte diese so schön nach zu Hause...
Unser Jahreswechsel erfolgte also mit dem typischen Countdown,
zehn Sekunden vor 24.00. Uhr, sogar auf deutsch.
Wir stießen mit einem hausgemachtem indischen Wein, der viel
süßer ist, als alle Weine, die wir in Deutschland so kennen, an,
umarmten uns und wünschten uns A HAPPY NEW YEAR!
Wesentlich unspektakulärer und vor allem leiser als in
Deutschland, war dies für uns alle wohl eine ganz andere Art
Silvester zu feiern.
Wir schliefen noch lange nicht ein und in Gedanken begingen wir
das neue deutsche Jahr zur deutschen Zeit, als es bei uns schon halb
fünf in der Nacht war, mit euch daheim gemeinsam.
Möge es uns allen Glück bringen und uns vor allem am Ende gesund
und glücklich wieder nach Hause bringen.
Maxi





