31.12.2013

HAPPY NEW YEAR

Es gibt diese Nächte, in denen man sich fragt warum Müdigkeit eigentlich nicht zu Schlaf verhilft.
Aus einer dieser Nächte erwachten wir oder, sollte ich besser sagen einer dieser Nächte beendeten wir heute morgen 8.30 Uhr um uns unter eine eiskalte Dusche (also Schlauch an der Wand) zu stellen.
Dazu sollte auf jeden Fall noch einmal erwähnt sein, dass in Indien gerade Winter ist, für unsere Verhältnisse natürlich immer noch warm aber irgendwie hätten wir uns doch alle ein bisschen mehr über warmes Wasser gefreut.
Nun, sei es drum, nach einem kleinen Frühstück bekamen wir Besuch von einer Warli Künstlerin, sie zeigte uns in der darauf folgenden Zeit die Grundlagen dieser Kunst.
Warli ist eine Art (nun ja, in Deutschland würde man vielleicht von Höhlenmalerei sprechen) indische Stammeskunst, bei der aus einfachen Strichen bestehende Menschen, Pflanzen sowie Häuser an die Wände gemalt werden. Zu besonderen Anlässen wird diese Kunst auch heute noch an die Wände in indische Haushalten angebracht.
Natürlich fühlte ich mich zwischen den ganzen künstlerisch begabten Menschen im Raum ein wenig verloren. Trotzdem war das Ganze eine Erfahrung Wert.
Kurz darauf bekamen wir erneut Besuch von einem Professor eines örtlichen Colleges, der uns eine Menge über die indische Politik, Religion und Traditionen erzählte, dabei fällt mir einmal wieder auf, wie sehr ein Inder davon ausgeht, dass wir weder das Land Indien geografisch einordnen können, noch sonst irgendwelche Vorinformationen dazu haben („Mahatma Gandhi, you have ever heard about him?“)
Ich persönlich konnte der ganzen Sache nicht so gut folgen, mir für meinen Teil, hatte die gestrige Hochzeit den Magen verdorben und ich spürte nun die Auswirkungen davon. Kurz gesagt, mir war ganz schön übel, weshalb ich die anschließende Pause auch dazu nutzte einfach nur den versäumten Schlaf nachzuholen, dabei verschlief ich auch den anschließenden Lunch, wofür unser Gastvater Philipp zum Glück Verständnis zeigte, wie für eigentlich alles, auch, dass wir im Moment kein indisches Essen mehr sehen können (außer natürlich Vivi, der die Schärfe anscheinend gar nichts anhaben kann.)
Wir verbrachten also die restliche Zeit vor allem damit unsere kleinen Wehwehchen auszukurieren, zum Glück, denn nach ein bisschen Schlaf und Ruhe waren wir auch alle wieder in der Lage in Philipps Auto zu steigen und eine weitere aufregende Fahrt durch die Stadt zu erleben.
Diesmal hielten wir an einem buddhistischen Tempel, dort wurden wir allerdings sofort zur Hauptattraktion umfunktioniert. Jeder wollte ein Foto mit uns machen und so blieben wir eben geduldig stehen und lächelten in viele verschiedene Kameras mit völlig fremden Menschen im Arm.
Unser Gastbruder fand das eher belustigend, wie ziemlich viele Dinge, die wir sagen oder tun aber er ist ein lieber Kerl und ebenso wie seine Schwester Maria und den Rest der Kuruvillas haben wir ihn jetzt schon fest in unser Herz geschlossen. David und Maria fahren morgen zurück nach Mumbai, da ab morgen in Indien die Ferienzeit vorbei ist und die Beiden wieder studieren gehen, wir treffen sie dort leider erst am Tag unserer Abreise wieder, weshalb für den heutigen Abend eine kleine Happy New Year Party bei den Kuruvillas geplant war.
Überhaupt ist in der ganzen Stadt doch hier und da Neujahrsstimmung angesagt, in den örtlichen Clubs stehen Partys an und Maria erzählte uns, dass es durchaus ein paar Familien gibt, die ein kleines Feuerwerk veranstalten. Als wir uns an einem See niederließen, bekamen wir etwas von der Partystimmung mit und ein bisschen fühlte es sich an, wie in Deutschland zu sein, mit seine Freunden auf dem Weg zu irgendeiner Silvesterparty beschwingt durch die Straßen zu gehen um sich am Ende des Abends weinend und dankbar in den Armen zu liegen.
Denn, auch wenn für die meisten Hindus ein anderer Kalender gilt, bezieht sich dieser doch eigentlich mehr auf die zahlreichen religiösen Festivitäten und Rituale, morgen beginnt für alle Inder, ebenso, wie für uns das neue Jahr mit dem ersten Tag im Januar.
Uns zu liebe wurde dieses also auch mit einer kleinen Feier eingeleitet. Es gab Pizza, echte Pizza, ohne indische Gewürze schmeckte diese so schön nach zu Hause...
Unser Jahreswechsel erfolgte also mit dem typischen Countdown, zehn Sekunden vor 24.00. Uhr, sogar auf deutsch.
Wir stießen mit einem hausgemachtem indischen Wein, der viel süßer ist, als alle Weine, die wir in Deutschland so kennen, an, umarmten uns und wünschten uns A HAPPY NEW YEAR!
Wesentlich unspektakulärer und vor allem leiser als in Deutschland, war dies für uns alle wohl eine ganz andere Art Silvester zu feiern.
Wir schliefen noch lange nicht ein und in Gedanken begingen wir das neue deutsche Jahr zur deutschen Zeit, als es bei uns schon halb fünf in der Nacht war, mit euch daheim gemeinsam.
Möge es uns allen Glück bringen und uns vor allem am Ende gesund und glücklich wieder nach Hause bringen.
 
Maxi 
 
 

1 Kommentar:

  1. Ich habe gerade mit Spannung gelesen, was ihr schon alles gemacht habt. Super, dass bisher alles geklappt hat.
    Ich wünsche euch einen guten Start ins neue Jahr und bin neugierig, wie es weitergeht.
    Liebe Grüße aus München
    Christine Reulein (Mama von Johanna)

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