








Okay, bevor wir jetzt alle in Tränen ausbrechen, so schnell war es dann auch wieder nicht vorbei! :)
Da gab es doch noch eine letzte Station auf unserer großen, abenteuerlichen Reise durchs bunte Land, und diese trug den Namen Mumbai!
Der Abschied am Morgen DES Tages, der uns wieder nach Hause bringen sollte, lief eher etwas stürmisch als tränenreich ab, also keinen Grund jetzt sentimental zu werden.
Wir kamen gerade einmal 20 Minuten vor Abflug am Flughafen in Nagpur an, ja ist ja klar, "Indian Time" eben.
Nachdem uns Bibi und Philipp am Eingang entlassen hatten, tauchte auch gleich schon die erste Überraschung auf, mein Koffer wurde eingezogen mit der Frage: "Any Powder inside?", die ich nur freundlich mit "Rangoli Powder" beantwortet, was ich unbedingt mitnehmen wollte um damit im Frühling ein Rangoli vor unser Haus zu malen.
Ich öffnete also den Koffer, kramte diesen noch einmal komplett um und zog dann irgendwann die Rangoli Farbe heraus, für ein deutsches, weißes Mädchen wie mich, gab es natürlich überhaupt keine Probleme dieses mitführen zu dürfen.
Mit einem Lächeln entschuldigte sich der nette Mann für die Umstände, die er mir bereitet hatte und entließ mich zum Einchecken, was wir wirklich auch dringend erledigen mussten.
Der anschließende Flug verlief reibungslos, wir alle wunderten uns, wie schon auf dem Hinflug, dass der Captain bereits nach einer halben Stunde die Anschnallzeichen einblenden ließ und die Durchsage zur bevorstehenden Landung machte.
Mumbai war für uns aus weiter Ferne schon erkennbar, denn das Erste, was man auf einem Flug über die Stadt erkennen kann ist der größte Slum Asiens, direkt neben dem Flughafen.
Auf der Hinreise hatte ich diesen als allererstes gesehen und war absolut verstört in den nächsten Flieger gestiegen mit dem Bild im Kopf, das so also Indien aussieht.
Heute, vier Wochen später, weiß ich, das Indien eben sowohl die eine als auch die andere Seite hat und ich war mir diesmal ganz sicher, dass hinter dem Dreck und Gestank des Slums eine wunderschöne und bunte Stadt auf uns warten würde.
Meine Hoffnungen sollten nicht enttäuscht werden. Als wir aus dem Flughafengebäude heraustraten, strahlte uns eine heiße Mittagssonne ins Gesicht, der Flughafen war von Palmen gesäumt und zwischen den vielen Menschen erspähten wir Maria und Philipp, die Kinder der Kuruvillas, die wir seit nun mehr drei Wochen nicht gesehen hatten.
Als wären wir die ältesten und dicksten Freunde vielen wir uns alle lachend in die Arme und waren einfach nur voller Vorfreude auf den uns bevorstehenden Tag mit den Beiden.
Im Auto ging es zunächst auf einer einstündigen Fahrt durch die Stadt, dabei sahen wir die unterschiedlichsten Menschen auf den Straßen, viel mehr Weiße auf einmal als man sich in Indien erträumen ließe, Paare, die an der Promenade saßen und ganz öffentlich Zärtlichkeiten austauschten und Inderinnen in kurzen Shorts.
"Mumbai ist eben eine Großstadt, hier ist alles möglich" lautete Marias Kommentar zu unseren verwunderten Gesichtern.
Doch, so langsam verstehe ich wirklich den Unterschied zwischen den kleinen, traditionellen und großen, boomenden Städten.
Auch wenn Nagpur größer als jede deutsche Großstadt ist, ist sie für indische Verhältnisse eben doch nur ein Städtchen.
Und als wir am Gateway of Mumbai angekommen waren, dem Platz überhaupt, wurde uns die Dimension dieser Stadt wohl auch zum ersten Mal so richtig bewusst.
Riesige Luxushotels säumten den Platz, große Autos wurden von Tiefgarage zu Tiefgarage gefahren und das geschäftige Treiben war unglaublich mitreißend, dass wir uns direkt auf in den Strom machten um uns in unser letztes Shoppingvergnügen auf einem der vielen Märkte hier stürzten.
Fast schon verzweifelt wurden die letzten Rupien für ein paar Kissenbezüge, Schmuck und kleine Mitbringsel ausgegeben.
Es machte, wie immer, einfach nur riesigen Spaß durch die bunte Vielfalt zu schlendern und die vielen Eindrücke auf sich wirken zu lassen.
Nach einem kleinen Lunch gingen wir zur wunderschönen Promenade und sahen endlich unser geliebtes Meer.
Mit frisch gepresstem Mangosaft, welcher der süßeste war, den ich jemals irgendwo getrunken hatte und dabei ist noch nicht einmal Mangosaison... ließen wir uns auf der Mauer zwischen den vielen Paaren nieder.
Die Sonne brannte heiß, aber wir genossen die wahrscheinlich letzte große Hitze und beobachteten die auslaufenden Schiffe auf ihrem Weg in die unendliche Weite des Meeres.
Es blieb nicht viel Zeit und ein Tag ist definitiv zu kurz um so eine interessante Stadt, wie Mumbai es ohne Frage ist, zu entdecken.
Doch mit Maria und David als Reiseführer, sozusagen waschechten Mumbaianern sahen wir viele großartige Orte, tolle Gartenanlagen und einen Aussichtspunkt von dem aus man auf die ganze Stadt sehen konnte.
Ehe wir uns versahen, verschwand die Sonne schon langsam hinter dem Meer, was für uns den Rückweg zum Flughafen bedeutete.
Wir alle waren furchtbar müde und hatten eigentlich nicht wirklich eine Ahnung, wie wir jetzt noch die ganze Nacht auf den Beinen bleiben sollten.
Wir fuhren an der einzigen Kuh vorbei, die ich hier in Mumbai erspähen konnte und sicherlich auch die letzte, die ich auf irgendeiner Straße erst einmal sehen sollte, an den Paaren auf der Promenade und dem größten Slum Asiens über dem ein großes Plakat mit der Aufschrift " Reisen sie nach Dubai zum Wintershopping" aufgehängt war.
Wie paradox dieses Land doch ist.
Und eh wir uns versahen standen wir mit unseren Koffern vor dem Flughafen und nun wurde auch mir zum ersten Mal klar, wie bald nun alles zu Ende sein würde.
David und Maria drückten uns jeweils einen Kuss auf die Wange, dann verschwanden sie im Getümmel, Hand in Hand und mit lächelnden Gesichtern...
In diesem Moment ging uns wohl allen ein anderer Gedanke durch den Kopf, Vivi für ihren Teil, war sicherlich erst einmal einfach nur traurig, ihrem geliebten Indien auf Wiedersehen sagen zu müssen und auch Christina schien etwas wehmütig, Amelie war immer noch voller Vorfreude auf zu Hause und sah diesen schönen letzten Tag einfach als einen gelungenen Abschluss und ich, ja ich, sah mich zunächst einmal bald wieder in dem von mir so verhassten Flugzeug sitzen und das für die nächsten neun Stunden, mich erfasste auf einmal auch eine Welle der Traurigkeit und das hätte ich wirklich nicht für möglich gehalten, denn bisher überwog auch für mich die Freude auf zu Hause...
Doch, so schnell geht es eben, dass man sich an die Menschen und die Umstände gewöhnt, sie lieben lernt und nur schweren Herzens wieder gehen lässt.
Ich bin nicht gerade der Mensch für die großen, theatralischen Schlussworte, ebenso wenig wie ich für`s "Auf Wiedersehen" sagen gemacht bin und deshalb ende ich hier ganz einfach mit einem Danke!
Danke für die Zeit, für die Erfahrung, die ich nirgendwo sonst hätte machen können, für die Menschen, die uns begegnet sind und uns auf unserem ganzen Weg begleitet haben, Danke für die Unterstützung aus unserm zu Hause, für die langen Skypekonferenzen, die oft Tränen getrocknet und Lächeln gezaubert haben, Danke an unsere Sponsoren, ohne die dieses große Abenteuer niemals möglich gewesen wäre, danke an unsere Lehrer, die sich in langen Prozeduren extra Klausuren für uns ausgedacht haben um uns für unsere Reise vom Schulstress weitgehend zu befreien und danke an euch drei, Vivi, Christina und Amelie, dafür, dass wir so eine tolle Gruppe waren, in der Einer für den Anderen da war und die so herrlich bunt gemischt war, dass jeder Charakter unabdingbar gewesen ist.
Ich bin wirklich sehr, sehr dankbar und ich habe mir vorgenommen, es jeden Tag auf Neue zu sein, für all das, was ich habe, was ich sehen durfte und noch sehen werde.
Vielleicht sollten wir alle ein bisschen öfter Danke sagen.
Und damit, möchte ich enden.
Maxi



