16.01.2013
Unser Donnerstag begann wie die meisten
Tage in Kalmeshwar, lange Schlafen, frühstücken, wobei mir jedes
Mal auffällt, wie mobil kleine indische Kinder schon morgens sind
und wie ruhig es dagegen im Pforte Speisesaal zugeht und
anschließenden Stunden in der Pioneer School und dem
Nachmittagsunterricht hier in Prerana.
Da dieser Tag, relativ ruhig und
„gewöhnlich“ verlief und ich nicht so recht wusste, was ich
darüber hätte schreiben können schlug mir Christina vor, ebenso
wie sie eine Liste mit Dingen, die ich an Deutschland vermisse
aufzustellen.
Ich entschied mich allerdings gegen
diesen Vorschlag, denn, um ganz ehrlich zu sein, würde diese in
meinem Fall wohl viel zu lang ausfallen.
So beschloss ich einfach über zwei
Tage zu schreiben und über den darauf folgenden Freitag lässt sich
auf jeden Fall viel berichten...
*
17.01.2013
Ebenso wie der Donnerstag Morgen
gestaltete sich auch der Freitag Morgen recht routiniert, mit dem
einzigen Unterschied, dass Vivi und ich heute das große Vergnügen
hatten, die kleinen Racker alleine zu bändigen, stundenlang Humu
Humu zu tanzen und uns dabei völlig zum Clown zu machen;) während
Amelie und Christina auserwählt waren an der St.Thomas Orthodox
Seminary School, die als Ausbildungsstätte für heranwachsende
Priester fungiert, zu unterrichten.
Ich glaube, dass sie es wirklich
genossen haben, einmal mit Menschen Englisch zu reden und somit auf
einer guten Grundlage unterrichten zu können.
Die Zeit bis zum Lunch verbrachten wir
dann also damit Fotos von den heranwachsenden Patern und Priestern
anzusehen.
Der heutige Nachmittagsunterricht war
einmal wieder ein voller Erfolg für Amelie und mich. Mittlerweile
genieße ich die Arbeit mit den behinderten Kindern so sehr, denn sie
sind unglaublich aufmerksam und diszipliniert und jedes Lachen, dass
sie dir schenken ist so unglaublich ehrlich und herzlich, dass man
sie einfach gern haben muss.
Manchmal würde ich sie gerne besser
verstehen können, wenn sie Späße machen und auf einmal anfangen zu
lachen und wir einfach keine Ahnung haben warum.
Ich habe jeden einzelnen in mein Herz
geschlossen und bin unglaublich dankbar dafür, dass man etwas
hinterlassen kann und auch hinterlassen wird, mit unserer Arbeit, die
wir hier täglich verrichten. Es ist ein unglaublich gutes Gefühl,
diese Kinder glücklich zu sehen.
Der Unterricht vergeht am Nachmittag
dementsprechend immer unglaublich schnell.
Wir begaben uns nach der kleinen
Spielstunde mit den Kindern in die St.Thomas Orthodox Seminary
School, an der Amelie und Christina schon am Morgen gewesen waren um
mit den Studenten dort ein bisschen Badminton zu spielen, wir hofften
alle inständig, dass aus dem geplanten Sport und Spiel eher ein
bisschen Interaction werden würde, bei der wir nicht so viel herum
springen müssten.
Doch vor jeglicher sportlichen
Aktivität musste erst einmal der obligatorische Tee getrunken
werden, wir bekamen diesen in einer großen Halle, die mich sehr an
unseren Speisesaal in Pforte erinnerte serviert und diesmal eine ganz
besondere Spezialität, die mir aus den vielen Thailandurlauben schon
sehr vertraut war, dazu.
Frittierte Bananen, ich konnte es kaum
glauben, sie schmeckten ebenso süß und knusprig wie in meiner
Erinnerung und ich hatte so etwas nun schon seit sieben Jahren nicht
mehr gegessen.
Ihr könnt euch daher sicher meine
Begeisterung vorstellen, die so groß war, dass ich mir gleich noch
ein paar von diesen süßen Dingern beim Vorbeigehen in die Tasche
steckte.
Doch nun zum eigentlichen Teil, dem
Badminton spielen, wozu ich sagen muss, es kam wirklich dazu, wenn
auch nicht lange, aber Christina und ich waren tapfer und spielten
mit den überaus talentierten Jungs ein bisschen Badminton.
Sicherlich haben sie uns nach zehn
Minuten auch nicht gefragt, ob wir vielleicht lieber einem
„richtigen“ Match zusehen wollten, weil wir irgendwie nicht gut
gespielt hätten oder so, nein nein, ich glaube, sie wollten uns
einfach nur zeigen, was sie drauf haben, richtige Jungs eben ;)
Kurz darauf viel uns sofort die
orthodoxe Kirche des Geländes auf, die wirklich einmal an eine
richtige Kirche, wie wir sie in Deutschland kennen erinnerte. Pater
Cherrien, ein ebnso unglaublich freundlicher Mensch, wie alle Pater,
die wir bisher kennen lernen durften führte uns in die Kirche hinein
und obwohl es in dieser ebenso stark nach Räucherstäbchen, wie in
sämtlichen Tempeln hier, roch, war die Atmosphäre doch eine ganz
andere, diese Kirche strahlte Bescheidenheit und Einfachheit aus,
ebenso, wie es die Studenten hier leben und vorgelebt bekommen.
Ich mochte diesen Ort sowieso
unglaublich gerne, überall gab es saubere Grünanlagen und wie
überall in Indien, sobald es ein paar grüne Bäume gibt, ist die
Luft, die man atmet gleich viel besser!Wir setzten uns auf die Stufen vor der Kirche und unterhielten uns noch lange mit Pater Cherrien, dabei ist mir ein Gedanke von ihm ganz besonders im Gedächtnis geblieben: „ Die Leute, bezeichnen euch als Weiße und warum?, weil eure Haut weiß ist und uns, uns bezeichnen die Leute als Asiaten, dabei haben wir doch alle eine Nase, einen Mund und zwei Augen. Mit der Religion ist es genau das Gleiche, jede Religion spricht von Liebe und Hoffnung und so hat jede Religion ihr Berechtigung, eben wie jeder Mensch das Recht hat gleichgestellt neben einem anderen zu leben.“
Selbst auf dem Rückweg zur Prerana
School unterhielten wir uns noch viel mit Pater Cherrien, als wir die
Auffahrt hinauf liefen kam uns Bibi schon aufgeregt entgegen, wir
sollten uns jetzt beeilen, denn für heute stand Tempel Visiting auf
dem Plan.
Wir sprangen also von einer Attraktion
zur nächsten, auf der Autofahrt redete Bibi mal wieder mehr als alle
anderen, aber, wir sind ja schon daran gewöhnt ;)
Als wir den Tepel dann erreicht hatten,
waren wir wieder umgeben von heiligen Kühen, Straßenhunden und
Räucherstäbchen, wie immer wurden wir zur Attraktion und jeder
machte ein Foto von uns, aber auch das lassen wir uns mittlerweile
gerne gefallen.
Auch dieser Tag verging wieder wie im Flug und wenn man überlegt, dass uns nun schon das letzte Wochenende bei unseren Gastfamilien bevorsteht fragt man sich eine im Leben wohl sehr oft gestellte Frage: „Wo ist nur die ganze Zeit hin?“
Das werden wir uns sicherlich noch oft fragen, auch wenn wir uns schon längst wieder auf deutschem Boden befinden.
Es gilt also, die Zeit, die uns hier noch bleibt zu genießen und ich denke, dass uns das auch immer leichter fällt.
Ich wünsche euch allen einen wunderschönen Abend!
Maxi
Hurra, mit Fotos ist das doch was ganz anderes, weil viel besser vorstellbar.
AntwortenLöschenHerzliche Grüße
Peter Maser.
Hallöchen ihr Lieben,
AntwortenLöschenihr habt so Recht mit der Zeit. Ihr werdet sie nie vergessen und euch des Öfteren fragen, wo sie denn nur geblieben ist. Genießt eure restlichen Tage dort und saugt jeden einzelnen Moment ganz intensiv auf!
Liebste Grüße von Pauli.
P.S. Ich habe totales Fernweh bekommen als ich euch am Mittwoch kurz beim Skypen sah. :(