04.01.2014

In ein neues Zuhause


Der Wecker riss uns viel zu früh aus dem Schlaf, ihr müsst wissen, halb fünf ist in Indien eigentlich eine unchristliche Zeit, außer natürlich um ein bisschen Yoga zu machen.
Und als wir die Prerana School in Kalmeschwar verließen und total übermüdet den Pick Up stiegen, sahen wir eben hier und da die ein oder andere Gruppe von Menschen, die sich an den Straßenrand gesetzt hatten um ein bisschen zu meditieren.
Was für ein wunderbares Bild, in der sich im Morgenrot verlierenden Kälte der Nacht.
Nach einer halben Stunde Fahrt kamen wir in unserem geliebten NCCI Gebäude, in dem wir auch die ersten drei Tage verbracht hatten an.
Es war alles so, wie es sein sollte, der schwere Blütenduft lag in der Luft und wir spürten alle das erste Mal Vertrautheit, im großen, unbekannten Indien, dieser Ort war hier zu unserem zu Hause geworden, er hatte die ersten Tränen getrocknet, die ersten Blogeinträge waren dort entstanden und die ersten Pläne geschmiedet wurden, für all die Sachen, von denen wir jetzt schon wussten, dass wir sie kaufen mussten, bevor wir zurück flogen.
Viel zu schnell würden wir diesen Ort wieder verlassen, mit diesem Gedanke schliefen wir als wir angekommen waren für die nächsten zwei Stunden erst einmal ein um dann gesund, fit und munter in den neuen Tag zu starten.
Dieser begann mit einem flüchtigen Frühstück, doch Essen und Hunger hat in Indien keine wirklich große Bedeutung für uns ( das genießen wir lieber, wenn wir wieder zu Hause sind) und einer anschließenden langen Fahrt durch die chaotischen Straßen Nagpurs zu einer der besten Schulen, der ganzen Stadt, der Centerpoint School.
Diese Schule beeindruckte uns nicht nur wegen ihrer unglaublichen Dimension und der Moderne, die diese verkörperte sondern vor Allem diese wunderbaren Kinder hatten es uns angetan.
Nachdem uns die Direktorin, jaa ganz richtig gehört, wir sprechen von einer Direktorin, die im Übrigen mehr Durchsetzungsvermögen und Stärke als so mancher Mann hier verkörperte, mit wunderbaren Lemon Tee begrüßt hatte, besuchten wir eine Klasse mit 13-14 jährigen Schülern darin, die nicht nur einfach viel besser Englisch als wir alle zusammen sprachen sondern auch so unglaublich aufmerksam und interessiert unseren Erzählungen über Deutschland lauschten, dass wir bald umgeben von staunenden Gesichtern aus dem Fragen beantworten gar nicht mehr herauskamen.
Wir besuchten noch weitere Klassen, einige Mädchen führten einen sehr traditionellen Tanz, den man Bharatnatyam nennt, für uns auf, wir lauschten Gesängen, der Kinder und dem Tabla Klang, der typischen „Indian Drums“.
Die Zeit verging wie im Flug und jedes einzelner dieser Kinder schien so glücklich über unseren Besuch und nahm alles mit einer solchen Begeisterung auf, dass auf der Stelle sämtliche deutsche Lehrer dort geblieben wären.
Wir fuhren in der Mittagszeit zurück zum Office um unseren gewohnten Lunch einzunehmen, Rice and Vegetables, like every day :)
Doch erneut waren unsere Gedanken weniger beim Essen, als bei den Gasteltern, die wir heute zum ersten Mal treffen sollten und bei denen wir die nächstn Wochenenden jeweils von Samstag zu Sonntag schlafen sollten und somit das typische Leben einer hinduistischen Familie mit erleben und selbst leben sollten.
Meine Gastmutter kam gegen halb vier und ich war somit die Vorletzte, die abgeholt wurde.
Ab hier endet ein bisschen unsere gemeinsame Geschichte zu viert, denn ab diesem Moment sollten wir Vier das erste Mal getrennt voneinander in Indien einen Nachmittag und eine Nacht verbringen.
Ich kann euch nur von meinen Erfahrungen berichten und muss euch sagen, diese sind einfach großartig.
Meine Gastmutter kam mich mit einem Roller abholen, nun, wie ja schon oft geschrieben wurde, herrscht hier ein einziges Chaos auf der Straße und bisher hatte ich die ganzen Fahrer auf ihren Rollern immer nur neben den viel mächtigeren Autos gesehen und nicht darum beneidet, dass sie sich ständig an diesen mächtigen Riesen vorbei drängeln mussten.
Nun sollte ich also selbst auf einem dieser Roller sitzen und anfänglich war ich ein wenig verängstigt, vor allem wegen der ganzen Blicke, die mir wieder einmal zugeworfen werden würden, wenn ich jetzt so ganz offensichtlich durch die Straßen fuhr.
Als stünden mir diese Bedenken aufs Gesicht geschrieben, band mir meine Gastmutter ein Tuch um den Kopf, sodass ich vollständig verhüllt war und dann ging es auch schon los.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich diese Fahrt genoss, so ganz versteckt wurde ich fast ein Teil der Menge ohne äußere auffallende Merkmale , die mich von dieser unterschieden.
Wir fuhren schnell und waren bald im Haus meiner Gastfamilie, wo mich, die beiden Töchter und der Mann meiner Gastmutter, sowie deren Vater und deren Schwester mit Mann die alle zusammen unter einem Dach leben, freundlich empfingen.
Ich sprach sehr viel mit den Töchtern und es tut mir wirklich gut, die ganze Zeit Englisch sprechen zu müssen, auch, wenn das hier alle besser können als ich.
Nach einer kleinen Ruhepause, Rest, ist, wie mir scheint, das Lieblingswort eines jeden Inders, fuhren wir mit dem Auto in die Stadt und ich ahnte ja noch nicht, was mich dort erwarten sollte.
Zunächst fuhren wir zu einem kleinen Restaurant und ich aß Pane Pure (Wasserbälle), die hier ein Spezialität sind, ihr müsst euch eine Art Blätterteig vorstellen, in den man Kartoffelbrei mit ganz viel Chili stopft und danach in zwei verschiedene, ein süßes und ein scharfes Wasser taucht.
Ich habe zumindest hier in Indien noch nie so etwas leckeres gegessen, wenn auch sehr scharf, aber wirklich lecker.
Mein kulinarischer Gang durch Nagpur sollte nicht so schnell zu Ende gehen, denn wir besuchten noch zahlreiche Bäckereien der Stadt und es gab die besten Süßigkeiten und die meisten, die ich je auf einmal gesehen hatte.
Ich kostete alles.
Am Abend war ich totmüde und schlief das wahrscheinlich erste Mal hier wirklich schnell ein, vor meinem Fenster sprangen die Affen in den Bäumen hin und her und irgendwo in der Ferne hörte ich pausenlos, die wahrscheinlich völlig überfüllten Züge heulend durch die Nacht fahren.

Maxi


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