Der Wecker riss uns viel zu früh aus
dem Schlaf, ihr müsst wissen, halb fünf ist in Indien eigentlich
eine unchristliche Zeit, außer natürlich um ein bisschen Yoga zu
machen.
Und als wir die Prerana School in
Kalmeschwar verließen und total übermüdet den Pick Up stiegen,
sahen wir eben hier und da die ein oder andere Gruppe von Menschen,
die sich an den Straßenrand gesetzt hatten um ein bisschen zu
meditieren.
Was für ein wunderbares Bild, in der
sich im Morgenrot verlierenden Kälte der Nacht.
Nach einer halben Stunde Fahrt kamen
wir in unserem geliebten NCCI Gebäude, in dem wir auch die ersten
drei Tage verbracht hatten an.
Es war alles so, wie es sein sollte,
der schwere Blütenduft lag in der Luft und wir spürten alle das
erste Mal Vertrautheit, im großen, unbekannten Indien, dieser Ort
war hier zu unserem zu Hause geworden, er hatte die ersten Tränen
getrocknet, die ersten Blogeinträge waren dort entstanden und die
ersten Pläne geschmiedet wurden, für all die Sachen, von denen wir
jetzt schon wussten, dass wir sie kaufen mussten, bevor wir zurück
flogen.
Viel zu schnell würden wir diesen Ort
wieder verlassen, mit diesem Gedanke schliefen wir als wir angekommen
waren für die nächsten zwei Stunden erst einmal ein um dann gesund,
fit und munter in den neuen Tag zu starten.
Dieser begann mit einem flüchtigen
Frühstück, doch Essen und Hunger hat in Indien keine wirklich große
Bedeutung für uns ( das genießen wir lieber, wenn wir wieder zu
Hause sind) und einer anschließenden langen Fahrt durch die
chaotischen Straßen Nagpurs zu einer der besten Schulen, der ganzen
Stadt, der Centerpoint School.
Diese Schule beeindruckte uns nicht nur wegen ihrer unglaublichen Dimension und der Moderne, die diese verkörperte sondern vor Allem diese wunderbaren Kinder hatten es uns angetan.
Diese Schule beeindruckte uns nicht nur wegen ihrer unglaublichen Dimension und der Moderne, die diese verkörperte sondern vor Allem diese wunderbaren Kinder hatten es uns angetan.
Nachdem uns die Direktorin, jaa ganz
richtig gehört, wir sprechen von einer Direktorin, die im Übrigen
mehr Durchsetzungsvermögen und Stärke als so mancher Mann hier
verkörperte, mit wunderbaren Lemon Tee begrüßt hatte, besuchten
wir eine Klasse mit 13-14 jährigen Schülern darin, die nicht nur
einfach viel besser Englisch als wir alle zusammen sprachen sondern
auch so unglaublich aufmerksam und interessiert unseren Erzählungen
über Deutschland lauschten, dass wir bald umgeben von staunenden
Gesichtern aus dem Fragen beantworten gar nicht mehr herauskamen.
Wir besuchten noch weitere Klassen,
einige Mädchen führten einen sehr traditionellen Tanz, den man
Bharatnatyam nennt, für uns auf, wir lauschten Gesängen, der Kinder
und dem Tabla Klang, der typischen „Indian Drums“.
Die Zeit verging wie im Flug und jedes
einzelner dieser Kinder schien so glücklich über unseren Besuch und
nahm alles mit einer solchen Begeisterung auf, dass auf der Stelle
sämtliche deutsche Lehrer dort geblieben wären.
Wir fuhren in der Mittagszeit zurück
zum Office um unseren gewohnten Lunch einzunehmen, Rice and
Vegetables, like every day :)
Doch erneut waren unsere Gedanken
weniger beim Essen, als bei den Gasteltern, die wir heute zum ersten
Mal treffen sollten und bei denen wir die nächstn Wochenenden
jeweils von Samstag zu Sonntag schlafen sollten und somit das
typische Leben einer hinduistischen Familie mit erleben und selbst
leben sollten.
Meine Gastmutter kam gegen halb vier
und ich war somit die Vorletzte, die abgeholt wurde.
Ab hier endet ein bisschen unsere
gemeinsame Geschichte zu viert, denn ab diesem Moment sollten wir
Vier das erste Mal getrennt voneinander in Indien einen Nachmittag
und eine Nacht verbringen.
Ich kann euch nur von meinen
Erfahrungen berichten und muss euch sagen, diese sind einfach
großartig.
Meine Gastmutter kam mich mit einem
Roller abholen, nun, wie ja schon oft geschrieben wurde, herrscht
hier ein einziges Chaos auf der Straße und bisher hatte ich die
ganzen Fahrer auf ihren Rollern immer nur neben den viel mächtigeren
Autos gesehen und nicht darum beneidet, dass sie sich ständig an
diesen mächtigen Riesen vorbei drängeln mussten.
Nun sollte ich also selbst auf einem
dieser Roller sitzen und anfänglich war ich ein wenig verängstigt,
vor allem wegen der ganzen Blicke, die mir wieder einmal zugeworfen
werden würden, wenn ich jetzt so ganz offensichtlich durch die
Straßen fuhr.
Als stünden mir diese Bedenken aufs
Gesicht geschrieben, band mir meine Gastmutter ein Tuch um den Kopf,
sodass ich vollständig verhüllt war und dann ging es auch schon
los.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie
sehr ich diese Fahrt genoss, so ganz versteckt wurde ich fast ein
Teil der Menge ohne äußere auffallende Merkmale , die mich von
dieser unterschieden.
Wir fuhren schnell und waren bald im
Haus meiner Gastfamilie, wo mich, die beiden Töchter und der Mann
meiner Gastmutter, sowie deren Vater und deren Schwester mit Mann
die alle zusammen unter einem Dach leben, freundlich empfingen.
Ich sprach sehr viel mit den Töchtern
und es tut mir wirklich gut, die ganze Zeit Englisch sprechen zu
müssen, auch, wenn das hier alle besser können als ich.
Nach einer kleinen Ruhepause, Rest,
ist, wie mir scheint, das Lieblingswort eines jeden Inders, fuhren
wir mit dem Auto in die Stadt und ich ahnte ja noch nicht, was mich
dort erwarten sollte.
Zunächst fuhren wir zu einem kleinen
Restaurant und ich aß Pane Pure (Wasserbälle), die hier ein
Spezialität sind, ihr müsst euch eine Art Blätterteig vorstellen,
in den man Kartoffelbrei mit ganz viel Chili stopft und danach in
zwei verschiedene, ein süßes und ein scharfes Wasser taucht.
Ich habe zumindest hier in Indien noch
nie so etwas leckeres gegessen, wenn auch sehr scharf, aber wirklich
lecker.
Mein kulinarischer Gang durch Nagpur
sollte nicht so schnell zu Ende gehen, denn wir besuchten noch
zahlreiche Bäckereien der Stadt und es gab die besten Süßigkeiten
und die meisten, die ich je auf einmal gesehen hatte.
Ich kostete alles.
Am Abend war ich totmüde und schlief das wahrscheinlich erste Mal hier wirklich schnell ein, vor meinem Fenster sprangen die Affen in den Bäumen hin und her und irgendwo in der Ferne hörte ich pausenlos, die wahrscheinlich völlig überfüllten Züge heulend durch die Nacht fahren.
Am Abend war ich totmüde und schlief das wahrscheinlich erste Mal hier wirklich schnell ein, vor meinem Fenster sprangen die Affen in den Bäumen hin und her und irgendwo in der Ferne hörte ich pausenlos, die wahrscheinlich völlig überfüllten Züge heulend durch die Nacht fahren.
Maxi
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