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| Diesen jungen Mann haben wir am Kiosk vor unserer Schule getroffen, er wohnt im Dorf. Seine ausdrucksstarken Augen haben uns fasziniert |
Wenn ein Tag um 6 Uhr startet, ist auf jeden Fall damit zu rechnen, dass ich nicht sonderlich gut gelaunt bin. Aber manchmal gibt es Momente, die sogar ein müdes Wesen und einen zu früh begonnen Tag wieder wett machen, und auch heute gab es diese schönen Momente mit unseren Kindern hier.
Als heute der Wecker klingelte, war mein erster Gedanke (gleich nach: "Oh nein, bitte lass mich das Weckerklingeln träumen..."): "Jetzt ist es also schon eine Woche?"
Und ja, richtig gehört, eine Woche sind wir jetzt hier und entdecken nicht nur ein fremdes Land, sonder lernen auch persönliche Grenzen kennen und überwinden.
Mein eindeutig zu früh klingelnder Wecker kündete die Rückkehr nach Kalmeshwar an, nachdem wir alle ein wirklich aufregendes und schönes Wochenende in unseren Gastfamilien erlebt hatten. Um punkt 6:45 Uhr, man sollte hierbei unterstreichen, dass auch 6:45 Uhr angekündigt war und wir somit das erste Mal Pünktlichkeit in Indien erlebten, wartete ein netter Fahrer des Seminarys auf uns und mit unserem Gepäck ging es zurück zu der Prerana School, wo wir nun die nächsten Wochen die meiste Zeit leben und arbeiten werden. Auf dem Weg machten wir einen Abstecher zum Bahnhof, der Railway Station in Nagpur, die wir ja bereits besichtigt haben, um Father Bijesh von dort abzuholen und mit nach Kalmeshwar zu nehmen.
Father Bijesh war über das Wochenende nach Mumbai verreist, um an einer Konferenz von Lehrern und Stiftern von Schulen für geistig Behinderte teilzunehmen. Ihr müsst wissen, eine 11 Stunden Zugfahrt, wie hier diese von Mumbai nach Nagpur, ist nämlich für Indien gar nicht erst eine Distanz, deswegen sprach er von einem Kurztripp, mit einer insgesamt nur 22 Stunden kurzen Zugfahrt.
Am Anfang hatten wir die Herumgefahrerei mit dem Auto immer alle sehr genossen, weil es ein unbeschriebliches Gefühl war, so viel neues zu sehen und die Eindrücke einfach still, mit großen Augen, auf sich wirken zu lassen. Aber das ändert sich nun langsam: Heute war es nicht mehr so schön unbeschwert, kein Entdecken mit Kinderaugen und so fast ohne inhaltlichen Hintergrund, denn langsam lernen wir alles besser kennen und auch einzuordnen. Wenn man durch die Dörfer fährt und heruntergekommene Hütten sieht, war es am Anfang noch ein malerisches Bild, durch große Tamarind-Bäume und frei herumspringende Kapuzineräffchen fast märchenhaft wirkend. Alles schien so exotisch und wir fühlten uns wie in eine Reisedokumentation versetzt, so unfassbar anders war alles. Aber nun wissen wir mehr und mehr was es bedeutet hier in dieser Reisedokumentation wirklich zu leben, und auch hier haben wir schon große Unterschiede erlebt. Man findet Dörfer mit dem Lebensstandard des europäischen Mittelalters, kontrastiert zu protzigen modernen Bauten in der Stadt. Mit meiner Familie, einer sehr wohlhabenden Brahmanenfamilie, besuchte ich den Surabardi Club, eine Hotelanlage der Extraklasse. Es scheint fast unreal, wenn man durch das Dorf Surabardi fährt und dann in der künstlich bewässerten grünen Oase des Hotels aussteigt. Noch unwirklicher ist es, die Ferienhäuser und Hotelzimmer zu sehen, mit Whirlpool und Regenwalddusche in jedem Badezimmer, wenn andere nicht einmal warmes, geschweige denn sauberes Wasser haben. So bestätigte sich erneut, wie groß der Rahmen der Möglichkeiten ist, Indien mit seinen tausenden Gesichtern kennenzulernen und zu entdecken, und dabei sei erwähnt, ein noch härterer Kontrast, der Slumbesuch, steht uns noch bevor.
Father Bijesh und wir wurden also bereits im Hellen, aber meiner Meinung nach wirklich trotzdem immernoch viel zu früh, nach Kalmeshwar gebracht, wo man uns die Möglichkeit bot uns bis Schulbeginn noch auszuruhen. Mit diesem Moment, der Rückkehr zur Prerana School und dem Wochenbeginn, startete also erstmals eine richtige Routine für uns, eine Regelmäßigkeit und die wirkliche Arbeit.
So gegen 10 Uhr wurden wir von einem Mini-Schoolbus abgeholt und zur Millennium School, einer ganz normalen Dorfschule, gebracht um dort zu unterrichten. Wir waren darauf eingestellt dort auf 11 bis 13 Jährige anzutreffen, Englisch sprechend und bereit ein paar Grundlagen der deutschen Sprache vermittelt zu bekommen; diese Vorstellung änderte sich allerdings rasch nach der Ankunft, denn uns blickten viele große braune Teddyaugen neugierig an, als wir die kleine Schule betraten. Bei dieser Schule handelt es sich mehr um eine Vorschule, als um alles andere und die Kinder sind zwischen 3 und 6 Jahre alt. Jetzt war Improvisationstalent gefragt, wie bereits so oft hier in Indien. Es war klar, dass wir unsere Pläne nun etwas umwerfen mussten. Jeder bekam eine Klasse zugeteilt und das Unterrichten begann. Erstaunlicherweise glänzte meine Klasse mit guten Kenntnissen des englischen Alphabets und sie erkannten sogar meine Zeichenversuche für zum Beispiel "T for Tiger", wo ich wirklich alle meine bescheidenen Kenntnisse der exotischen Fauna zusammenkratzen musste. Auch die Körperteile waren spielerisch schnell abrufbar, indem ich immer eine Bewegung oder Aktivität des dementsprechenden Körperteils mit dem Sagen des englischen Wortes verband. So winkten mir zum Schluss viele kleine Hände entgegen, als ich sagte: "Show me your hands"
Die Zeit verging recht rasch, allerdings müssen wir unseren Lehrplan nun etwas überarbeiten, da wir, wie gesagt, mit Kindern gerechnet hatten, die schreiben können und ganze englische Sätze bereits verstehen. Aber eins habe ich hier gelernt: Kleine Kinder sind auf der ganzen Welt unfassbar niedlich.

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| (1) Sonne und Kraft tanken / (2) am Anfang noch sehr skeptisch mit den großen weißen Mädchen |
Ich bin sehr gespannt, wie viele sich morgen noch an die neuen englischen Vokabeln und die kleinen deutschen Grußformeln "Hallo" und "Tschüss" erinnern werden.
Damit war der theoretische Teil des Unterrichts beendet und alle versammelten sich auf dem Hof um Spiele zu spielen. Diese Spielestunde sollten wir gestalten und wir packten aus unserem Repertoire Enegizer wie Let me see your funky chicken, All I want is a big fat pony, Lieder wie den Früchtekanon und Head, shoulders, knees and toes aus und erfanden ein neues Balldurchreichspiel spontan aus dem FF. Uns machte dabei die Hitze mehr zu schaffen als den Kindern und wir waren am fertigsten von allen von der ganzen Spielerei. Unsere Anwesenheit und unser Programm scheint allen Kindern aber wirklich Spaß gemacht zu haben und das ist hierbei auf jeden Fall das schönste Gefühl und macht sogar das frühe Aufstehen und das Brüten in der Hitze wieder gut und den Tag trotz allem sehr lohnenswert.
Wir sind jetzt auf jeden Fall auf die Interaktion mit den Kindern in den folgenden Tag gespannt und ebenso auf das Gefühl einer Lebensroutine hier in Indien, weg von einem Touristendasein, das nun sicher kommen wird.
Amelie


Damit ihr mal einen Kommentar bekommt.
AntwortenLöschenLiebe Maxi und begleitende Weltenbummlerinnen,
AntwortenLöschenendlich habe ich Euren Blog entdeckt und versuche mir vorzustellen, wie Ihr da im fernen Land zurecht kommt. Es ist schon ein toller Trip, den Ihr Euch da vorgenommen habt. Alles, alles Gute im neuen Jahr. Hier ist der Frühling ausgebrochen.
Mit besten Grüßen aus Bad Kösen
Euer Peter Maser.
p.s. Ob Euch diese Nachricht je erreicht, weiß ich nicht. Ich kenne mich mit blogs etc. nicht aus, versuche es aber trotzdem mal.
Peter.Maser@t-online.de
Lieber Herr Maser,
Löschenvielen Dank für ihr Interesse! Uns begegnen täglich neue Herausforderungen und viele schöne Erfahrungen. Wie bemühen uns sehr, ihnen diese durch diesen Blog näher zu bringen!
Herzliche Grüße aus Indien,
Maxi, Amelie, Christina und Viviane