03.01.2014

Tiefenentspannung in Prerana

Unser erster vollständiger Tag in der Prerana School war sehr entspannt, vielleicht sogar etwas zu entspannt. Nach dem Frühstück um 9Uhr hatten wir frei bis zum Lunch um 13Uhr, dann sollten wir eigentlich eine Unterrichtsstunde geben (nur eine, weil die zweite Stunde für Spiele genutzt werden sollte) aber man entschied dann spontan, (so wie das in Indien eben ist) den ganzen Nachmittag dafür zu nutzen. Also hatten wir wieder frei bis zum Chai Latte trinken, und dann wieder frei bis zum Abendbrot um 20Uhr. Danach hatten wir natürlich wieder frei. Kurz: unser Tag bestand aus Essen und Freizeit.

Bibi war gestern Abend wieder nach Nagpur gefahren, um ihre Tochter richtig zu verabschieden (die sie jetzt länger nicht sehen wird als wir) und kam erst gegen Abend zurück – wir empfingen sie mit Erleichterung, denn es ist ein schönes Gefühl, endlich wieder jemanden zu haben, dessen Sprache man versteht und der für uns übersetzen kann.

Wir finden hier wirklich wenig Menschen, die Englisch sprechen können. Wie uns schon angekündigt wurde: in den Dörfern spricht man meist nur Hindi und die lokale Sprache, also in unserem Fall Marathi. Weder mit den Lehrern noch mit den Kindern können wir wirklich kommunizieren– am Nachmittag waren wir eine ganze Weile draußen, um mit ihnen zu spielen, aber die Hindi-Stunden haben uns deprimierenderweise nicht allzu viel gebracht; jedes Mal, wenn wir mal einen Satz zu sprechen versuchen, werden wir nicht verstanden – unsere Aussprache muss furchtbar sein! Wir sind etwas unschlüssig, ob wir lieber Englisch oder gar nicht reden sollen, aber wie uns auch Bibi sagte: Was man sagt ist eigentlich egal, solange man es mit dem Herzen tut. Und es stimmt auch – wir brauchen keine Worte, die Kinder freuen sich auch schon, wenn man sie nur anlächelt oder ihre Hand nimmt, wenn sie sie uns hinhalten. Und dieses Gefühl ist so wunderbar, zu sehen wie sie lachen und sich an solchen kleinen Dingen erfreuen.
 
Eine Weile haben wir auch bei Kinderspielen wie Luftballons zerplatzen, Süßigkeiten aufsammeln oder an einer Leine hängendes Zwieback ohne Hände essen zugeschaut, (viel komplizierter können die Spiele nicht sein) und es ist einfach so schön anzusehen, wie viel Spaß den Kindern diese Spiele machen. Es ist wunderbar, dass es diese Schule hier gibt, ich denke, die Kinder haben unendlich viel Glück hier sein zu können.

Ich habe den Tag sehr genossen, denn ich habe zum ersten mal seit Ewigkeiten das Gefühl gehabt, nichts zu tun zu haben. Das ist genau das, was ich jetzt einmal gebraucht habe – Tiefenentspannung. Aber dennoch hoffen wir alle, dass wir in den restlichen drei Wochen etwas mehr erleben werden als heute – die Anfangszeit war ja sehr vielversprechend, aber ein bisschen skeptisch schauen wir schon auf den Zeitplan (den wir nebenbei bemerkt heute das erste Mal zu Gesicht bekommen haben), denn er sieht irgendwie so mehr oder weniger für jeden Tag das gleiche vor... Doch morgen warten erst einmal wieder Abenteuer auf uns, denn wir werden nun doch jeder allein in eine Gastfamilie gehen.

Nach fast einer Woche habe ich das Gefühl, hier total hinzugehören. Man hat sich schon an so viel gewöhnt: der indische Akzent in dem Englisch; die Art, wie alle immer mit ihrem Kopf wackeln, wenn sie reden (das ist irgendwie weder Nicken noch Kopfschütteln, es ist einfach so ein indisches Ding, und wir alle beginnen schon es uns anzugewöhnen...), die vielen Gerüche (gute und schlechte, aber in jedem Fall immer sehr intensive), wie es aussieht auf den Straßen und wie die Leute fahren und auch die Anderen beginnen nun das indische Essen zu vertragen, so dass wir immer mutiger werden und immer öfter alles probieren.
 
Vivi 

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