




Bibi war gestern Abend wieder nach
Nagpur gefahren, um ihre Tochter richtig zu verabschieden (die sie
jetzt länger nicht sehen wird als wir) und kam erst gegen Abend
zurück – wir empfingen sie mit Erleichterung, denn es ist ein
schönes Gefühl, endlich wieder jemanden zu haben, dessen Sprache
man versteht und der für uns übersetzen kann.
Wir finden hier wirklich wenig
Menschen, die Englisch sprechen können. Wie uns schon angekündigt
wurde: in den Dörfern spricht man meist nur Hindi und die lokale
Sprache, also in unserem Fall Marathi. Weder mit den Lehrern noch mit
den Kindern können wir wirklich kommunizieren– am Nachmittag waren
wir eine ganze Weile draußen, um mit ihnen zu spielen, aber die
Hindi-Stunden haben uns deprimierenderweise nicht allzu viel
gebracht; jedes Mal, wenn wir mal einen Satz zu sprechen versuchen,
werden wir nicht verstanden – unsere Aussprache muss furchtbar
sein! Wir sind etwas unschlüssig, ob wir lieber Englisch oder gar
nicht reden sollen, aber wie uns auch Bibi sagte: Was man sagt ist
eigentlich egal, solange man es mit dem Herzen tut. Und es stimmt
auch – wir brauchen keine Worte, die Kinder freuen sich auch schon,
wenn man sie nur anlächelt oder ihre Hand nimmt, wenn sie sie uns
hinhalten. Und dieses Gefühl ist so wunderbar, zu sehen wie sie
lachen und sich an solchen kleinen Dingen erfreuen.
Eine Weile haben wir auch bei
Kinderspielen wie Luftballons zerplatzen, Süßigkeiten aufsammeln
oder an einer Leine hängendes Zwieback ohne Hände essen zugeschaut, (viel komplizierter können die Spiele nicht sein)
und es ist einfach so schön anzusehen, wie viel Spaß den Kindern
diese Spiele machen. Es ist wunderbar, dass es diese Schule hier
gibt, ich denke, die Kinder haben unendlich viel Glück hier sein zu
können.
Ich habe den Tag sehr genossen, denn
ich habe zum ersten mal seit Ewigkeiten das Gefühl gehabt, nichts zu
tun zu haben. Das ist genau das, was ich jetzt einmal gebraucht habe
– Tiefenentspannung. Aber dennoch hoffen wir alle, dass wir in den
restlichen drei Wochen etwas mehr erleben werden als heute – die
Anfangszeit war ja sehr vielversprechend, aber ein bisschen skeptisch
schauen wir schon auf den Zeitplan (den wir nebenbei bemerkt heute
das erste Mal zu Gesicht bekommen haben), denn er sieht irgendwie so
mehr oder weniger für jeden Tag das gleiche vor... Doch morgen
warten erst einmal wieder Abenteuer auf uns, denn wir werden nun doch
jeder allein in eine Gastfamilie gehen.
Nach fast einer Woche habe ich das
Gefühl, hier total hinzugehören. Man hat sich schon an so viel
gewöhnt: der indische Akzent in dem Englisch; die Art, wie alle immer
mit ihrem Kopf wackeln, wenn sie reden (das ist irgendwie weder Nicken
noch Kopfschütteln, es ist einfach so ein indisches Ding, und wir alle beginnen schon es uns
anzugewöhnen...), die vielen Gerüche (gute und schlechte, aber in
jedem Fall immer sehr intensive), wie es aussieht auf den Straßen
und wie die Leute fahren und auch die Anderen beginnen nun das
indische Essen zu vertragen, so dass wir immer mutiger werden und immer öfter
alles probieren.
Vivi
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