21.01.2014

Gandi Baat

Das erstaunlichste an Indien sind wirklich die Menschen und zwar immer wieder und jeden Tag aufs Neue.
Das sie gerne Fotos machen und Bilder bei Facebook hochladen wissen wir ja nun schon aber, dass uns wirklich jeden Tag ein neues und noch extremeres Ausmaß des Ganzen erwarten würde, hätten wir uns nicht vorstellen können.
Doch Indien ist mit seinen tausend Facetten und Gesichtern immer wieder für Überraschungen gut und so sollte auch dieser Tag wieder voll davon sein.
Nachdem wir an der Pioneer English Medium School wieder ein bisschen getanzt hatten, worüber wir nun mittlerweile selbst nur noch lachen können, weil wir für Außenstehe unglaublich komisch aussehen müssen, stand ein erneutes School Visiting des örtlichen Science Colleges auf den Plan.
Na super, Naturwissenschaften sind natürlich unser Fachgebiet, weshalb wir auch unglaublich begeistert waren von den ganzen Chemielaboratorien, die übrigens den gleichen penedranten Gestank versprühen wie in Deutschland und den Beamern, die es tatsächlich auch schon in indische Klassenzimmer geschafft haben.
Noch mehr beigeistert waren allerdings die Studenten des Colleges und zwar von uns.
Nun ja, für ihre Gastfreundlichkeit sind sie bei uns nun bereits bekannt auch für die Samosa und Kata Meeta Snacks natürlich nicht ohne einen Chai Tea und auch für die vielen Fragen über Hitler, die wir auch durchaus gerne beantworten.
Als dann aber nach der Interaction mit den Studenten, bei der mehr gesungen wurde als alles andere, von uns natürlich die typischen deutschen Weihnachtslieder und auf unsere Wunsch von den Studenten Gandi Baat, unser neues Lieblingslied( Hörprobe: siehe Youtube Verlinkung oben), auf einmal alle Studenten in einem Riesenpulk auf uns zustürzten waren wir schon etwas überfordet.
Auf einmal bildete sich um jede von uns ein Kreis von schreienden Fans.
Natürlich kamen auch wieder die typischen Fragen nach dem Facebooknamen, der E-Mail Adresse und so weiter, doch auch diese waren noch steigerbar.
Auf einmal hielten mir ein paar Jungs ihre Arme hin und drückten mir einen Stift in die Hand, dem einem sollte ich ein Autogramm drauf schreiben, dem anderen meine Handynummer.
Zum Glück bin ich inzwischen darin geübt zu sagen, dass ich weder Handy noch Laptop besitze und Niemand in Deutschland Facebook benutzt.
Man weiß auch nie so genau, wie man mit diesen Situationen umgehen soll, einmal muss man einfach nur darüber lachen, dass man behandelt wird wie ein Star und das nur, weil man aus dem gelobten Westen kommt, weiße Haut und blaue Augen hat und dann und so ist es eigentlich die meiste Zeit ist man einfach nur genervt von den vielen Menschen, die einen begaffen, als wäre man dem All entsprungen und pausenlos Fotos machen will.
Nachdem man uns dann zum Hundertsten Mal erzählte, wie wunderschön wir und vor allem unsere Augen wären verließen wir das College und kamen erneut mit kleiner Verpätung zum Lunch.
Nach dem Essen bereiteten Amelie und ich unsere letzte richtige Stunde mit unserer Klasse an der Prerana School vor, ich teilte ein Lebkuchenherz in viele kleine Stücke, der Geruch war so intensiev und erinnerte uns an das weihnachtliche zu Hause, das wir nun schon vor so langer Zeit verlassen hatten. Heute würden wir den Schülern ein bisschen über Deutschland erzählen.
Die Idee kam sehr gut an, alle sahen sich gespannt unsere Fotos an und lauschten vor allem den vielen Erzählungen über den Schnee in unserem zu Hause.
Die Kinder freuten sich über die Lebkuchenstücke, als hätte wir ihnen einen Klumpen Gold in die Hand gedrückt. Und Amelie und ich sind jedes Mal so glücklich darüber mit so wenig eine so große Freude bereiten zu können.
Die Stunde verging wie immer unglaublich schnell und am Ende fehlte nur noch ein Abschlussfotos mit unseren neuen kleinen Freunden, dich ich jetzt schon unglaublich vermisse und an die ich noch sehr oft zurück denken werde.
Auch für die anschließende Spielstunde stand eine kleine Besonderheit auf dem Plan.
Christina und ich besorgten Farbe und ein paar weiße Blätter Papier, viel mehr braucht es nicht um diese Kinder glücklich zu machen.
Nacheinander holten wir sie aus der Halle, in der Amelie und Vivi derweil Topfschlagen spielten, und bestrichen ihre Hände mit bunter Farbe. Daran fanden nicht nur die Kinder gefallen auch Christina und ich mussten zugeben, dass wir uns hier schon einen kleinen Kindertraum erfüllten, einfach mal so mit der bloßen Hand in einen Farbtopf zu greifen und damit rummatschen.
Am Ende hatten wir ein großes Plakat mit vielen kleinen und großen kunterbunten Patschehändchen geschaffen, dass gleich in der Schule aufgehangen wurde auch als eine Art kleines Abschiedsgeschenk dienen sollte.
Schon verrückt, ich habe das Gefühl, als wären wir gerade gestern hier angekommen und nun reden wir schon wieder von Abschied.
Besonders beeindruckend ist für mich allerdings die Tatsache, wie schnell ich mich an die kleinen Racker hier gewöhnt und viele von ihnen in mein Herz geschlossen habe.
Den Nachmittag verbrachten wir auf unserem geliebten Dach, über welches zwischendurch noch ein Paar Kapuzieneräffchen in den Sonnenuntergang sprangen, denen wir lächelnd nachsahen.
Ich beendete mein inzwischen drittes Warli, auch noch so eine Sache, die ich in Deutschland auf jeden Fall weiterführen werde.
Pater Bijesh lud uns am Abend zum Dinner ein. Es gab das von Amelie und mir hochgelobte Hühnchen, natürlich spiceless, aber am Ende immer noch scharf genug um uns die Tränen in die Augen zu treiben.
Mittlwerweile können wir über fast all diese Dinge lachen, so sehr haben wir uns an sie gewöhnt, sogar irgendwie an die Frösche auf der Toilette.
Amelie und ich verbrachten noch einen schönen Abend in unserem kleinen Zimmer, unter unserem Moskitonetz, unter dem wir schlafen, wie kleine indische Prinzessinen hinter einem Vorhang aus Gold und Seide, der sich schützend vor allen herunterfallenden Eidechsen jede Nacht aufs neue über uns legt.
Dabei hörten wir die großen Bollywoodklassiker (darunter natürlich auch Gandi Baat), die ich inzwischen so sehr liebe, dass sich meine Mitmenschen schon einmal darauf gefasst machen können, diese bald öfter aus meinem Zimmer erklingen zu hören (und Bollywood hört man in jeder möglichen Form aber auf gar keinen Fall und niemals leise!)
Unter leuchtenden Sternen und mit dem fernen Grillenzirpsen schliefen wir ruhig ein.
 
Maxi



 

1 Kommentar:

  1. Es ist ein wahrer Genuss, Eure Texte zu lesen und ein wenig in Eure Gefühlswelt eintauchen zu können. Danke hierfür und eine gute und sichere Rückreise!

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