Wieder ging es um 10 Uhr (SIT –
Standard indian time, also etwa um 10) in die Schule zu den
kleinen Kindern um zu unterrichten. Maxi und Amelie übernahmen die
ganz Kleinen, während ich mich mit Christina um die 5-6jährigen
kümmerte – man brachte die drei „älteren“ Klassen in einem
Raum zusammen, damit wir sie alle gemeinsam unterrichten können.
Aber deshalb mussten wir erst einmal alle auf das gleiche Level
bringen, denn einigen hatten wir gestern schon ein paar Körperteile
auf Deutsch beigebracht. Nachdem sie auch die Zahlen von 1-10
kennengelernt hatten, haben sich die Kinder wieder auf ihre drei
Räume verteilt um das neu gelernte zu notieren – Christina blieb
bei denen, die noch nicht schreiben können und unterrichtete weiter
nur mündlich (und mit Händen und Füßen), während ich bis zum Ende der Stunde damit beschäftigt
war, zu schauen, ob alles richtig abgeschrieben wurde, und zu
korrigieren. Da fühlt man sich schon echt komisch, wenn man so total
wie eine Lehrerin gesehen wird, wo man doch selbst eigentlich noch in
die Schule geht... Aber es macht unheimlich viel Spaß zu
unterrichten, vor allem, weil die Kinder so motiviert und
interessiert sind! Nach dem üblichen Tee mit der Schulleiterin
fuhren wir in dem kleinen gelben Schulbus mit den vergitterten
Fenstern wieder über Huckelstraßen zurück zur Prerana School.
Christina und ich hatten dort heute das Vergnügen mit einer anderen Klasse, die aber ebenso offen für unsere Lehrmethoden war wie die Kinder gestern. Als wir mit ihnen gezählt haben und dann allen zehn Schülern eine kleine weiße Blume (die wie alle Blumen hier so wunderbar und intensiv geduftet hat!) auf den Tisch gelegt haben und dabei bis zehn gezählt haben, haben sie in die Hände geklatscht und sich gefreut. Ich liebe diese Arbeit hier; ich liebe es immer wieder vor der Herausforderung zu stehen, Kindern etwas beibringen zu müssen ohne ihre Sprache zu sprechen; ich liebe es, sie nach und nach kennenzulernen mit ihren Schwächen und Stärken (manch einer kann eben besonders gut zählen und übernimmt dann unsere Rolle als „Vorsprecher“, manch anderer kann eben gut singen und die Bewegungen dazu koordinieren) und ich liebe es, wenn sie gar nicht mehr aufhören wollen, das langweiligste Lied der Welt zu singen (head, shoulders, knees and toes), weil es ihnen so viel Spaß macht. Und auch wir werden mit jedem Tag schlauer, zum Beispiel lernen wir, dass wir nicht zwischendurch „ähm“ sagen dürfen, weil sie das ebenso wie alle anderen Wörter mit nachsprechen.
Am schwierigsten finden wir alle wohl
immer, eine Stunde lang Spiele mit den Kindern zu spielen – heute
mussten wir nur eine halbe Stunde gestalten, weil die Lehrer hier uns
gezeigt haben, was sie hier sonst so für Spiele mit den Kindern
spielen, aber schon das schöpfte unser ganzes Repertoire aus. Da
werden wir wohl doch zu Google greifen und uns ein paar neue
Kinderspiele aneignen...
Zum ersten Mal hatte mir das Mittagessen hier so ziemlich gar nicht geschmeckt – aber es gab zum Tea praktisch nochmal Mittag – gebratene Nudeln! Als besonderes Ereignis wurde mir aufgetragen, das in den Blog zu schreiben, Nudeln haben wir nämlich noch nie bekommen. Wir haben sie aufgegessen – und das muss was heißen, denn es kommt so gut wie nie vor, dass wir etwas aufessen (man macht uns ja auch immer ganz schön viel...)!
Am Abend haben wir sogar endlich die
versprochenen SIM-Karten bekommen – etwas später als eigentlich
gesagt, aber immerhin. Nach einiger Zeit (es gab natürlich wieder
irgendwelche Problemchen, weshalb es nicht gerade schnell ging), die
wir in dem Kiosk nebenan verbrachten um Guthaben aufzuladen (ich habe
keine Ahnung, was genau die da gemacht haben, aber auf jeden Fall hat
es anders funktioniert als in Deutschland, denn die Besitzerin des
Kiosks brauchte nichts außer ihr Handy... In Indien überrascht mich
nichts mehr.) sind sie jetzt nutzbar – ehrlich gesagt wissen wir
nur nicht so hundertprozentig, wofür eigentlich...
In Gedanken waren wir oft bei unseren
Klassenkameraden auf der anderen Seite der Welt, die heute ihren
ersten Schultag nach den Ferien haben – und freuten uns darüber,
dass wir weder so früh aufstehen, noch so lange herum sitzen müssen
wie sie, aber freuten uns auch darauf, sie alle irgendwann wiederzusehen und in
einer Umgebung mit weniger Spinnen und ohne ungewöhnliche Frösche
im Bad zu sein.
Vivi
Vivi
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