07.01.2014

Eins, Zwei, Drei...


Wieder ging es um 10 Uhr (SIT – Standard indian time, also etwa um 10) in die Schule zu den kleinen Kindern um zu unterrichten. Maxi und Amelie übernahmen die ganz Kleinen, während ich mich mit Christina um die 5-6jährigen kümmerte – man brachte die drei „älteren“ Klassen in einem Raum zusammen, damit wir sie alle gemeinsam unterrichten können. Aber deshalb mussten wir erst einmal alle auf das gleiche Level bringen, denn einigen hatten wir gestern schon ein paar Körperteile auf Deutsch beigebracht. Nachdem sie auch die Zahlen von 1-10 kennengelernt hatten, haben sich die Kinder wieder auf ihre drei Räume verteilt um das neu gelernte zu notieren – Christina blieb bei denen, die noch nicht schreiben können und unterrichtete weiter nur mündlich (und mit Händen und Füßen), während ich bis zum Ende der Stunde damit beschäftigt war, zu schauen, ob alles richtig abgeschrieben wurde, und zu korrigieren. Da fühlt man sich schon echt komisch, wenn man so total wie eine Lehrerin gesehen wird, wo man doch selbst eigentlich noch in die Schule geht... Aber es macht unheimlich viel Spaß zu unterrichten, vor allem, weil die Kinder so motiviert und interessiert sind! Nach dem üblichen Tee mit der Schulleiterin fuhren wir in dem kleinen gelben Schulbus mit den vergitterten Fenstern wieder über Huckelstraßen zurück zur Prerana School.

Christina und ich hatten dort heute das Vergnügen mit einer anderen Klasse, die aber ebenso offen für unsere Lehrmethoden war wie die Kinder gestern. Als wir mit ihnen gezählt haben und dann allen zehn Schülern eine kleine weiße Blume (die wie alle Blumen hier so wunderbar und intensiv geduftet hat!) auf den Tisch gelegt haben und dabei bis zehn gezählt haben, haben sie in die Hände geklatscht und sich gefreut. Ich liebe diese Arbeit hier; ich liebe es immer wieder vor der Herausforderung zu stehen, Kindern etwas beibringen zu müssen ohne ihre Sprache zu sprechen; ich liebe es, sie nach und nach kennenzulernen mit ihren Schwächen und Stärken (manch einer kann eben besonders gut zählen und übernimmt dann unsere Rolle als „Vorsprecher“, manch anderer kann eben gut singen und die Bewegungen dazu koordinieren) und ich liebe es, wenn sie gar nicht mehr aufhören wollen, das langweiligste Lied der Welt zu singen (head, shoulders, knees and toes), weil es ihnen so viel Spaß macht. Und auch wir werden mit jedem Tag schlauer, zum Beispiel lernen wir, dass wir nicht zwischendurch „ähm“ sagen dürfen, weil sie das ebenso wie alle anderen Wörter mit nachsprechen.
Am schwierigsten finden wir alle wohl immer, eine Stunde lang Spiele mit den Kindern zu spielen – heute mussten wir nur eine halbe Stunde gestalten, weil die Lehrer hier uns gezeigt haben, was sie hier sonst so für Spiele mit den Kindern spielen, aber schon das schöpfte unser ganzes Repertoire aus. Da werden wir wohl doch zu Google greifen und uns ein paar neue Kinderspiele aneignen...

Zum ersten Mal hatte mir das Mittagessen hier so ziemlich gar nicht geschmeckt – aber es gab zum Tea praktisch nochmal Mittag – gebratene Nudeln! Als besonderes Ereignis wurde mir aufgetragen, das in den Blog zu schreiben, Nudeln haben wir nämlich noch nie bekommen. Wir haben sie aufgegessen – und das muss was heißen, denn es kommt so gut wie nie vor, dass wir etwas aufessen (man macht uns ja auch immer ganz schön viel...)!

Am Abend haben wir sogar endlich die versprochenen SIM-Karten bekommen – etwas später als eigentlich gesagt, aber immerhin. Nach einiger Zeit (es gab natürlich wieder irgendwelche Problemchen, weshalb es nicht gerade schnell ging), die wir in dem Kiosk nebenan verbrachten um Guthaben aufzuladen (ich habe keine Ahnung, was genau die da gemacht haben, aber auf jeden Fall hat es anders funktioniert als in Deutschland, denn die Besitzerin des Kiosks brauchte nichts außer ihr Handy... In Indien überrascht mich nichts mehr.) sind sie jetzt nutzbar – ehrlich gesagt wissen wir nur nicht so hundertprozentig, wofür eigentlich...

In Gedanken waren wir oft bei unseren Klassenkameraden auf der anderen Seite der Welt, die heute ihren ersten Schultag nach den Ferien haben – und freuten uns darüber, dass wir weder so früh aufstehen, noch so lange herum sitzen müssen wie sie, aber freuten uns auch darauf, sie alle irgendwann wiederzusehen und in einer Umgebung mit weniger Spinnen und ohne ungewöhnliche Frösche im Bad zu sein.

Vivi

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